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Digitale Plattform „Political X Change“ öffnet Türen

Digitale Plattform „Political X Change“ öffnet Türen und hilft auch Kommunalpolitik

Von: Rose-Rita Schäfer - Gießener Anzeiger - Stand: 25.06.2026, 10:18 Uhr

 

Der Heuchelheimer Leon Pelikan hat eine digitale Plattform mit App entwickelt, auf der Jugendliche unter anderem mit Kommunalpolitikern diskutieren können. Neuntklässler der Dietrich-Bonhoeffer-Schule in Lich arbeiten bereits an ersten Projekten.

Lich – Wie bringt man Jugendliche und Politik an einen Tisch, ohne dass die einen gelangweilt auf ihr Handy schauen und die anderen über fehlendes Interesse klagen? Der 20-jährige Heuchelheimer Leon Pelikan hat darauf eine Antwort gefunden, und zwar in der von Jugendlichen so heiß geliebten Form einer App. Jetzt wurde die digitale Plattform „Political X Change“ als Pilotprojekt im Licher Bürgerhaus vorgestellt und die Möglichkeiten der App erörtert, die genau das schaffen soll, woran viele Kommunen seit Jahren arbeiten: Jugendliche tatsächlich zu erreichen. Anschließend durften die Schüler der Jahrgangsstufe 9 der Dietrich-Bonhoeffer-Schule (DBS) die offizielle Einführung der Plattform nach den Sommerferien im Rahmen des Arbeitsauftrags „Entwickle und gestalte dein eigenes Projekt“ vorbereiten, allerdings ohne App-Nutzung. Und dabei zeigte sich schnell: Ideen haben Jugendliche reichlich – man muss ihnen nur die Möglichkeit geben, sie sichtbar zu machen.

Über der Stadtansicht der eigens für Lich eingerichteten Internetseite „lich.politicalx
change.app“ prangt der Slogan: „Deine Stadt. Deine Stimme. Diskutiere mit Licher Politikern, wähle deine Schülervertretung, nimm an Umfragen teil und gestalte die Zukunft von Lich aktiv mit.“ Das Motto dahinter lautet schlicht: Von Jugendlichen für Jugendliche. Die Plattform, wo Politik auf Smartphone trifft, soll jungen Menschen einen geschützten Raum bieten, um mit Politikern ins Gespräch zu kommen. Statt langer Reden und komplizierter Tagesordnungen setzt „Political X Change“ auf digitale Beteiligung in Augenhöhe.

Zu den Funktionen gehören Diskussionsforen, in denen Jugendliche direkt mit Kommunalpolitikern ins Gespräch kommen können, ebenso wie Umfragen, wo schnell Meinungen und Stimmungen eingeholt werden können. Digitale Wahlen, beispielsweise für die Schülervertretung, sind möglich, während ein Chat-Bereich den Austausch erleichtert und basierend auf vielen „Likes“ beliebte Themen besonders hervorhebt. Ein eigens entwickelter Wahl-O-Mat für Jugendliche bereitet derweilen politische Positionen verständlich auf, und natürlich gibt es auch die Möglichkeit, Projektideen einzureichen, auszuarbeiten und zu präsentieren. Noch in der Entwicklung ist ein KI-Debattentrainer, der Hilfen beim Argumentieren, Diskutieren und Debattieren liefert. Kurz gesagt: Statt „Politik ist langweilig“ heißt es künftig vielleicht eher „Moment, ich muss noch schnell abstimmen“.

Für Leon Pelikan ist das Projekt eine Herzensangelegenheit. Die Grundidee entstand bereits, als er selbst noch Schüler und aktiv in der Schülervertretung war. In den vergangenen Jahren nahm er mit seinen Konzepten an zahlreichen Ideenwettbewerben teil, konnte mehrfach Erfolge auf vorderen Plätzen feiern. Zurzeit ist er als Halbfinalist im Rennen um den „Hessischen Gründerpreis“. Umgesetzt wurden seine Ideen allerdings erst vor einem halben Jahr.

Einfach war der Start nicht, die Finanzierung eine große Herausforderung. Pelikan investierte zunächst eigenes Geld in sein Projekt. Den entscheidenden Anschub gab schließlich ein erster Auftrag des Hessischen Sozialministeriums für die Entwicklung eines digitalen Wahltools für Jugendliche. Mit diesen Mitteln konnte der junge Gründer Freelancer und Minijobber beauftragen, seine Ideen als webbasierte Anwendung technisch umzusetzen.

Wer mit Leon Pelikan spricht, merkt schnell: Hier arbeitet jemand mit echter Leidenschaft. Sein wohl häufigster Satz: „Ich habe gerade keine Zeit, ich muss noch schnell was erledigen.“ Viel Freizeit bleibt ihm offenbar nicht. Doch genau diese Begeisterung treibt ihn an. Sein Ziel ist klar: Jugendlichen Politik näherzubringen und dabei auch noch Spaß zu haben.

Nach der Vorstellung im Bürgerhaus ging es für die Schüler, aufgeteilt in fünf Klassen, zurück in die Klassenräume. Dort sollten sie erste Projektideen entwickeln, Konzepte ausarbeiten und diese anschließend vorstellen – und an Einfällen mangelte es nicht. Die Vorschläge reichten von einer Dönerbude auf dem Schulgelände bis hin zu gemeinsamen Sportveranstaltungen von Jugendlichen und Bewohnern eines Altenheims. Manche Ideen waren pragmatisch, andere kreativ, einige vielleicht etwas zu ambitioniert. Aber genau darum ging es: Gedanken sichtbar zu machen.

Begleitet wurden die fünf neunten Klassen von fünf Moderatoren. Außerdem waren sechs Stadtverordnete und auch Bürgermeister Dr. Julien Neubert vor Ort. Gerade für ihn spielt Bürgerbeteiligung in Lich seit Jahren eine wichtige Rolle, doch Jugendliche seien ein diffiziles Feld. „Es ist so schwierig, an junge Leute ranzukommen“, konstatierte er. Bisherige Angebote hätten nur begrenzt funktioniert. Von „Political X Change“ erhofft er sich deshalb neue Möglichkeiten des Austauschs. Zunächst ist das Projekt in Lich in Zusammenarbeit mit der Dietrich-Bonhoeffer-Schule auf ein Jahr begrenzt, die monatlichen Kosten trotz klammer Kasse vertretbar.

Für die beteiligten Politiker bietet die Plattform ganz neue Einblicke. Sie können unmittelbar erleben, wie Jugendliche denken, fühlen, welche Themen sie beschäftigen und welche Probleme sie wahrnehmen. Nicht jede Herausforderung – man denke etwa an Schulpolitisches – lasse sich politisch lösen. Darum gehe es aber auch gar nicht, betont Pelikan. Vielmehr soll „Political X Change“ Jugendlichen eine Stimme geben und ihre Anliegen sichtbar machen. Vielleicht liegt genau darin die größte Stärke des Projekts: Es soll keine Wunder vollbringen und auch keine Schlaglöcher per App reparieren. Aber es schafft einen Ort, an dem junge Menschen sagen können, was sie bewegt. Und manchmal beginnt Veränderung genau dort – mit einer Idee, einem Klick und der Erkenntnis, dass die eigene Meinung tatsächlich zählt.

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